
Das Mariechen war mal ein Mann
Ausstellung in der VR-Bank: „ 7 x11 Jahre Prinzengarde der Ersten Großen“. Karnevalsgesellschaft öffnet ihren Fundus und führt so manche Kuriosität des närrischen Brauchtums zutage.
Von Heike Eisenmenger
Von Heike Eisenmenger
Stolberg. Wenn Bankdirektor Peter Potempa morgens seinen Dienst in der VR-Geschäftstelle in der Stolberger City antritt, führt sein Weg vorbei an einer Schönen im feschen Mariechenkleid. Bützen kann er die Holde aber nicht: Die Schöne ist nur eine Schaufensterpuppe mit blondem Kunsthaar, die man in ein Prinzenmariechenkostüm der „Ersten Großen“ gesteckt hat.
Die lebensgroße Puppe gehört zur Ausstellung „7 x11 Jahre Prinzengarde der Ersten Großen“, die am Mittwoch in der VR-Geschäftstelle an der Rathausstraße eröffnet wurde. Noch bis zum 5. Dezember ist die mit vielen alten Fotos gespickte Ausstellung zu sehen.
Nicht nur Fotos, sondern auch Kleidungsstücke und Orden kramte die Stolberger Karnevalsgesellschaft aus ihrem Fundus hervor, um so einen Einblick in längst vergangene Tage der Prinzengarde zu geben. „Das Kuriose ist, dass die Karnevalsgesellschaft in diesem Jahr 80 Jahre alt wird und somit älter als die Prinzengarde ist. Da aber Karnevalsgesellschaften nur närrische Jubiläen feiern, steht das 7 x 11-jährige im Mittelpunkt“, erklärte Generalleutnant Leo Hösch. Ihm oblag es, die geschichtliche Entwicklung der Prinzengarde in abgespeckter Form für die rund 50 Gästen zusammenzufassen. Die Begrüßung teilten sich Stadtkommandant Heinz Kaesmacher und Peter Potempa als Direktor der VR Bank.
Im Gegensatz zu früher ist das Mariechen, das mit der Prinzengarde während der „fünften Jahreszeit“ von Saal zu Saal zieht, tatsächlich eine Frau. Ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1934 dokumentiert, dass das damals anders war: Die Aufnahme zeigt Leo Derichs – er war das erste Mariechen in der Geschichte der „Ersten Großen“ – im Kreise der Prinzengarde. Die karnevalistische Tradition, Männer als Frauenzimmer zu verkleiden, fand ein jähes Ende, als Adolf Hitler an die Macht kam: In seiner Weltanschauung war kein Platz für Männer in „Weibermaskerade“ – und noch nicht mal dann, wenn die Verkleidung nur ein Jux war.
Seither sind die Prinzenmariechen weiblich. Was das Bützchen für die Herren der Schöpfung allerdings wesentlich angenehmer macht. (eis)
Die lebensgroße Puppe gehört zur Ausstellung „7 x11 Jahre Prinzengarde der Ersten Großen“, die am Mittwoch in der VR-Geschäftstelle an der Rathausstraße eröffnet wurde. Noch bis zum 5. Dezember ist die mit vielen alten Fotos gespickte Ausstellung zu sehen.
Nicht nur Fotos, sondern auch Kleidungsstücke und Orden kramte die Stolberger Karnevalsgesellschaft aus ihrem Fundus hervor, um so einen Einblick in längst vergangene Tage der Prinzengarde zu geben. „Das Kuriose ist, dass die Karnevalsgesellschaft in diesem Jahr 80 Jahre alt wird und somit älter als die Prinzengarde ist. Da aber Karnevalsgesellschaften nur närrische Jubiläen feiern, steht das 7 x 11-jährige im Mittelpunkt“, erklärte Generalleutnant Leo Hösch. Ihm oblag es, die geschichtliche Entwicklung der Prinzengarde in abgespeckter Form für die rund 50 Gästen zusammenzufassen. Die Begrüßung teilten sich Stadtkommandant Heinz Kaesmacher und Peter Potempa als Direktor der VR Bank.
Im Gegensatz zu früher ist das Mariechen, das mit der Prinzengarde während der „fünften Jahreszeit“ von Saal zu Saal zieht, tatsächlich eine Frau. Ein Schwarz-Weiß-Foto aus dem Jahr 1934 dokumentiert, dass das damals anders war: Die Aufnahme zeigt Leo Derichs – er war das erste Mariechen in der Geschichte der „Ersten Großen“ – im Kreise der Prinzengarde. Die karnevalistische Tradition, Männer als Frauenzimmer zu verkleiden, fand ein jähes Ende, als Adolf Hitler an die Macht kam: In seiner Weltanschauung war kein Platz für Männer in „Weibermaskerade“ – und noch nicht mal dann, wenn die Verkleidung nur ein Jux war.
Seither sind die Prinzenmariechen weiblich. Was das Bützchen für die Herren der Schöpfung allerdings wesentlich angenehmer macht. (eis)
